Filmsimulationen für digitale Kameras erfreuen sich seit geraumer Zeit großer Beliebtheit. Dabei gibt zwei verschiedene Wege um Filmsimulationen zu erzeugen. Entweder in der Postproduktion oder direkt in der Kamera.

Postproduktion

Die lange Zeit beliebtere Methode war die softwarebasierte Lösung am heimischen Computer. Fotografiert wird hierbei im RAW-Modus. Diese RAW-Dateien werden in einem zweiten Schritt mit Hilfe einer Bildbearbeitung wie Lightroom in JPEG-Dateien konvertiert. Durch den Einsatz spezieller Presets entstehen in einem dritten Schritt schöne Filmlooks. Es gibt diverse Anbieter für Presets, die alte Filme nachbilden. Die bekanntesten sind wahrscheinlich die Presets von Nathan Johnson (http://natephotographic.com) und Vsco (https://vsco.co).
Wie ein fertig entwickeltes Bild aussehen kann, könnt ihr hier sehen:

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Berlin Lichtenberg- Cinestill 50D

Bearbeitungshinweis: Aufgenommen mit einer Nikon D7500 im RAW- Modus, entwickelt in Lightroom. Preset:
Wenn ihr die RAW-Konvertierung vermeiden wollt, wofür es gute Gründe gibt, könnt ihr den Filmlook auch gleich in der Kamera erzeugen. Bei dieser Methode erledigt die kamerainterne Software die Konvertierung von RAW in JPEG. Das spart viel Zeit.

Filmsimulationen direkt aus der Kamera

Oftmals wird Fuji mit dieser Methode assoziiert. Das liegt primär am geschickten Marketing von Fuji. In einer klassischen Blue-Ocean-Strategie, versucht sich Fuji von seinen Wettberbern abzusetzen, indem ein Service angeboten wird, den andere Hersteller in dieser Form nicht anbieten.

Aber auch andere Marken bieten RAW Interpretationen an, nur werden diese anders bzw. nicht so konsequent vermarktet wie von Fuji. Welchen Weg beispielsweise Lumix wählt, könnt ihr in meinem Beitrag über die Lumix LX 100 II für Street Photography nachlesen.

Im Folgenden möchte ich darlegen, welche Möglichkeiten sich Nutzern von Nikon Kameras bieten, die kamerainterne Filmsimulationen verwenden möchten.
Der natürliche Weg ist eine der bereits voreingestellten Simulationen zu wählen. Nikon nennt die Simulationen etwas umständlich Picture Control. Konkret lassen sich ein Schwarz-Weiß Film und mehrere Farbfilme auswählen. Die Namen der Simulationen sind nicht wie bei Fuji an alte Filme angelehnt. Vielmehr findet eine anwenderorientierte Namensgebung Verwendung.

Im Einzelnen:
Standard, Neutral, Brillant, Monochrom, Porträt, Landschaft und Ausgewogen.
Innerhalb dieser Simulationen können zwecks Feinjustierung diverse andere Parameter eingestellt werden.

Wenn ihr noch einen Schritt weitegehen wollt, könnt ihr Euch den kostenfreien Online-Dienst nikonpc (https://nikonpc.com) zunutze machen. Die Webseite bietet eine beträchtliche Anzahl an Filmsimulationen zum download an.

Vorgehen:
Ihr könnt je nach Kameratyp bis zu 9 Simulationen nutzen. Ihr müsst die Dteien lediglich auf eine Speicherkarte kopieren (legt ein Verzeichnis mit dem Namen „NIKON“ an. In diesen Ordner muss ein weiterer Ordner mit dem Namen „CUSTOMPC“ erstellt werden). Im Picture Control Menü Eurer Kamera, müsst ihr nur noch auf „Load/Save“ und dann auf „Copy To Camera“ klicken.
Das war es auch schon.

Ich habe mir beispielhaft drei Filmsimulation herausgesucht, die ich kurz vorstellen möchte.
Hinweis: Alle Fotos sind direkt aus der Kamera und wurden nicht nachbearbeitet. Ich habe übrigens ganz bewusst drei verschiedene Motive gewählt. Es geht schließlich nicht darum, die Filmsimulationen miteinander zu vergleichen. Vielmehr sollt ihr einen Eindruck davon bekommen, ob Euch die Looks gefallen.

Kodak Gold 100

Ein ungemein unterschätzter Film. Der Kodak Gold gilt zu Unrecht als langweilig. Der Film wartet mit tollen Farben und einen feinen Korn auf. Unbedingt ausprobieren (nicht nur in der digitalen Variante!).

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Berlin Friedrichshain- Kodak Gold 100

Kodak T-Max 400

Mein bevorzugter Schwarzweißfilm. Fast alle Fotos meiner New York Serie wurden damit fotografiert. Der Film bietet eine hohe Auflösung und das Korn ist relativ fein.

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Berlin Mitte- Kodak T-Max 400

Kodak Portra 160 NC

Der Kodak Portra 160 NC wurde ursprünglich für die Porträtfotografie entwickelt und liefert natürliche Farben und Hauttöne. Die Körnung ist relativ gering. Der Film kann selbstverständlich für diverse andere Zwecke eingesetzt werden.

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Berlin Mitte- Kodak Portra 160 NC