Einführung

Man blickt gerne auf Frankfurts Skyline – dabei befindet sich in den Straßenschluchten ein oftmals falsch verstandener Mikrokosmos. Das laute und verrufene Frankfurter Bahnhofsviertel. Ein Ort, wo Crystal Meth und teure Cocktails in direkter Nachbarschaft konsumiert werden.

Im Bahnhofsviertel tummeln sich Dealer, Junkies, Prostituierte, Hipster, Partygänger, ehrbare Kaufleute, Banker, Studenten und Touristen auf engsten Raum. Zudem gibst eine riesige Bandbreite an Restaurants, Bars, Clubs, Galerien, Bordellen, Hotels und Cafés. Das alles trifft auf gerade einmal 0,542 km² zusammen (zum Vergleich: Berlin Kreuzberg ist 10,38 km² groß).

Das Bahnhofsviertel Frankfurt ist aber nicht nur wegen dieser Vielfalt so faszinierend. Vielmehr beeindruckt das Quartier durch einen für Frankfurt untypisch hohen Bestand an Altbauten, der größtenteils unter Denkmalschutz steht. Mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel findet sich beispielsweise die Weißfrauenkirche, die als Anlaufpunkt für die gestrandeten Menschen dieser Stadt gilt.

Frankfurt Bahnhofsviertel
Gemischtes Publikum im Frankfurter Bahnhofsviertel (Moselstraße, Ecke Niddastraße)

Auch das stadtplanerische Konzept des Frankfurter Bahnhofsviertels ist bemerkenswert. Die Straßen sind bis zu 30 Meter breit und zeugen davon, dass das Viertel ursprünglich als Prachtstraßen-System mit repräsentativem Anspruch ausgelegt war. Als zentrale Achse gilt die Kaiserstraße, die vom Hauptbahnhof über die Europäische Zentralbank bis zur Innenstadt führt.

Fototour Bahnhofsviertel Frankfurt

Hauptbahnhof— Busbahnhof (ZOB)- Münchener Straße – Moselstraße- Mainufer- Elbestraße – Kaiserstraße– Taunusstraße – Jürgen-Ponto-Platz (Bankenviertel)

Beste Uhrzeit: Nachts. Hier strahlt das Viertel durch die vielen Neonlichter und die beleuchteten Bankentürme besonders grell. Wunderbare Vorrausetzungen für die Street Photography. Wirklich gefährlich ist das Bahnhofsviertel meiner Meinung nach nicht. Natürlich empfiehlt es sich nicht, ungefragt Portraits von Dealen anzufertigen.

Beginnen solltet ihr die Tour direkt am Hauptbahnhof. Die Architektur des Gebäudes ist beeindruckend und die Dynamik des Geschehens ermöglicht stimmungsvolle Fotos. Ich empfehle auch eine Ebene tiefer zu gehen, in die sog, B- Ebene. Dort ist es etwas schmuddelig, dass muss für die Street Photografy aber nicht schlecht sein. Einige Fotos meiner Serie Frankfurt Underground sind dort entstanden (klick).

Nun verlasst ihr den Hauptbahnhof am besten auf der Südseite. Gegenüber dem Ausgang befindet sich der Busbahnhof (ZOB), der durch die Reisenden und die angrenzenden – teils dubiosen- Lokalitäten viele reizvolle Motive für die Straßenfotografie bietet. Das zum Busbahnhof gehörige Parkhaus ermöglicht vom obersten Stockwerk aus, einen schönen Blick auf den Hauptbahnhof.

Vom Busbahnhof (ZOB), lauft ihr zurück zum Hauptbahnhof und biegt rechts in die Münchener Straße ein.

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Mittagspause in der Münchener Straße

Ihr werdet in ganz Frankfurt keine zweite Straße finden, die derart viele kulinarische Genüsse zu bieten hat. Neben einfachen Imbissen, sind hier auch viele durchgestylte Restaurants und Bars beheimatet. Und natürlich der Yok Yok Kiosk.

(Sidekick 1) Der Yok Yok Kiosk
Der Yok Yok Kiosk ist inzwischen eine Institution im Frankfurter Bahnhofsviertel. Ursprünglich ein ganz normaler Späti, ist der Yok Yok Kiosk (aus nicht gänzlich nachvollziehbaren Gründen) zum zentralen Treffpunkt für Hipster geworden. Man steht gerne mit einer Flasche Bier in der Hand vor dem Kiosk und sinniert über das Leben. Inzwischen hat der Kiosk aber respektable innere Werte. Ihr könnt im Yok Yok Kiosk nämlich nicht nur Euren Durst stillen, sondern auch Fotoausstellungen genießen, die dort (etwas versteckt) in unregelmäßigen Abständen stattfinden. Unbedingt den Chef (Nazim Alemdar) ansprechen! Weil der Yok Yok Kiosk so viele unterschiedliche Kulturen zusammenbringt, kann er durchaus als Gesellschaftslabor verstanden werden.
Wegen des Erfolges dieser Idee, hat der Kiosk inzwischen eine Dependance, nämlich den Yok Yok-KiosKunst in der Fahrgasse. Hier liegt der Schwerpunkt deutlich mehr auf der Kunst.

Yok Yok-KiosKunst: Fahrgasse 21, 60311 Frankfurt am Main
Yok Yok City Kiosk: Münchener Str. 32, 60329 Frankfurt am Main

Wenn ihr genug von Kunst habt, biegt ihr in die Moselstraße ein und lauft Richtung Main. Im Kisso Kiosk (Moselstraße 5) könnt ihr Euch eine leckere Samosa (indische Teigtasche) und einen Mate Tee schnappen und am Mainufer eine entspannte Pause einlegen. Sollte Euch mehr nach einem kühlen Bier in einer gemütlichen Kneipe sein, lauft ihr die Moselstraße zurück Richtung Münchener Straße und kehrt im Moseleck ein. In der Kneipe oder direkt davor, treiben sich fast immer interessante Personen herum, die als Kulisse für Streetfotos taugen.

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Das Moseleck am Nachmittag

(Sidekick 2): Moseleck
Das Moseleck ist die letzte urige Eckkneipe im Frankfurter Bahnhofsviertel und steht im krassen Gegensatz zur schräg gegenüber gelegenen Bar Plank, die ein Treffpunkt für Hipster ist. Im Moseleck findet sich regelmäßig eine bunte Mischung aus Stammkunden, Bankern und jungen Partyvolk ein.

Moselstraße 21, 60329 Frankfurt am Main
http://moseleck-ffm.de

Zurück auf der Münchener Straße, biegt ihr links in die Elbestraße ein und lauft in Richtung Kaiserstraße. Die Elbestraße ist eine der problematischen Straßen der Gegend. Hier ist die Junkie und Dealer Dichte besonders hoch. In der Elbestraße befinden sich auch viele Bordelle bzw. Laufhäuser.

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Die vielen Neonlichter im Bahnhofsviertel können eine besondere Stimmung erzeugen

Aber die Straße entwickelt sich stetig weiter. Erst kürzlich haben die Housebar55 (Elbestraße 55, Club-Bar), die direkt neben einem Laufhaus gelegen ist und das einst anrüchige Pik Dame (Elbestraße 31, Musik, Kabarett, und Zauberei), wiedereröffnet. Das Plank (Elbestraße 15, Café und Bar), die Jambo Bar (Elbestraße 20, Cocktails) sowie die Kinley Bar (ebenfalls Cocktails, siehe Sidekick 3) zeugen ebenfalls von dieser Entwicklung.
Wer also die Atmosphäre des Frankfurter Bahnhofsviertels einatmen möchte, sollte unbedingt durch die Elbestraße schlendern.

Sidekick 3: Kinley Bar
Die Bar ist etwas versteckt, habt ihr sie aber gefunden, werdet ihr mit den besten Drinks der Stadt verwöhnt. Vollkommen zurecht hat die Bar 2019 den renommierten Mixology Bar Awards zur Bar des Jahres gewonnen!

Elbestraße 34, 60329 Frankfurt am Main
http://kinlybar.com

Lauft ihr die Elbestraße noch etwas weiter, führt Euch das zur Kaiserstraße. Hier macht sich möglicherweise zunächst etwas Ernüchterung breit: Die ehemalige Prachtstraße Frankfurts ist heutzutage etwas schmuddelig, aber auf Grund der Größe und dem munteren Leben in den Nebenstraßen, finden sich auch hier immer wieder interessante Motive für die Street Photography.

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Blick auf die Kaiserstraße. Auch hier: Schöne Gegensätze von Alt und Neu.

Wenn ihr nun wieder in die Elbestraße einbiegt und weiter Richtung Westen lauft, kreuzt die Taunusstraße Euren Weg. Hier befinden sich ebenfalls einige Bordelle und Nachtclubs. Da in der Taunusstraße zudem viele Restaurants beheimatet sind, gibt es wunderbare Möglichkeiten Neonlichter zu fotografieren. Zudem lassen sich die Gegensätze zu den nahegelegenen Bankentürmen fotografisch herausarbeiten (etwa auf Höhe des My Way, Taunusstraße 26).

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Blick auf das angrenzende Bankenviertel

Wenn ihr die Taunusstraße weiterlauft und in die Weserstraße rechts abbiegt, erreicht ihr den Jürgen-Ponto-Platz. Der Platz besitzt eine Entree-Funktion zum Frankfurter Bahnhofsviertel. Hier lässt sich ebenfalls der charakteristische Kontrast zwischen der Architektur der Gründerzeit und den modernen Bankgebäuden beobachten.

Ende der Tour.

Sonstige Links (Kunst im Frankfurter Bahnhofsviertel):

Galerie Rundgænger, Niddastraße 63, 60329 Frankfurt am Main

https://www.rundgaenger.de

Gallery Jean-Claude Maier, Münchener Strasse 38, 60329 Frankfurt am Main

http://jeanclaudemaier.com

Mehr Streetfotos aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel findet ihr hier:

Street Photography Bahnhofsviertel Frankfurt